Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) - Was ist eine EÜR?

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ist eine vereinfachte Methode zur Gewinnermittlung. Dabei werden Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt. Hierbei handelt es sich um ein gesetzliches Formular des Finanzamts zur Gewinnermittlung im Rahmen der einfachen Buchführung. Ihr Pendant im Rahmen der doppelten Buchführung bildet die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV).

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Wer muss eine Einnahmenüberschussrechnung machen?

Prinzipiell müssen Unternehmer ihren Gewinn über die GuV ermitteln. Bestimmte Unternehmer sind von dieser Pflicht zur doppelten Buchführung jedoch befreit. Sie erstellen stattdessen eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) nach § 4 Abs. 3 EStG.

Folgende Unternehmer dürfen eine EÜR erstellen:

  • Freiberufler
  • Gewerbetreibende ohne Kaufmannseigenschaften mit einem Umsatz von weniger als 600.000 € jährlich und einem Gewinn von weniger als 60.000 € jährlich

Grundprinzip: Wie erstellt man eine EÜR?

Über die Berechtigung zur Anwendung der einfachen Buchführung mittels Einnahmen-Überschuss-Rechnung wurde bereits gesprochen.

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung stellt dar, wie der Gewinn eines Unternehmens zusammengesetzt ist, indem die Gesamtausgaben von den Gesamteinnahmen abgezogen werden. Das Ergebnis ist entweder ein Gewinn oder ein Verlust.

Die Zusammensetzung von Gesamteinnahmen und -ausgaben ist wie folgt:
Gesamteinnahmen = Geschäftseinnahmen + eingenommene Umsatzsteuer
Gesamtausgaben = Betriebsausgaben + gezahlte Vorsteuer

Gliederung der Einnahmen-Überschuss-Rechnung: Die Anlage EÜR

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist in der Steuererklärung unter dem Titel "Anlage EÜR" zu finden.

Der Unternehmer muss diese Anlage EÜR ausfüllen und sie dann gemeinsam mit der Steuererklärung elektronisch übermitteln.

Die vereinfachte Grafik zeigt, dass die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) einer dreiteiligen Gliederung unterliegt:

1. Gewinnermittlung:

Die Gewinnermittlung bildet den umfassendsten Teil der EÜR. Hier wird detailliert erläutert und aufgeführt, wie sich der Gewinn eines Unternehmens genau zusammensetzt.

2. Ergänzende Angaben:
In der EÜR werden ergänzende Angaben behandelt, die sich mit stillen Rücklagen und Reserven befassen. Diese entstehen durch eine Unterbewertung des Vermögens oder eine Überbewertung der Schulden.

3. Zusätzliche Angaben bei Einzelunternehmen:
Zu den zusätzlichen Angaben der Einnahmen-Überschuss-Rechnung gehören getätigte Privatentnahmen und Privateinlagen, insbesondere bei Einzelunternehmen.

Grundprinzipien der Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Die Gewinnermittlung im Rahmen der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) basiert auf bestimmten Prinzipien und Grundlagen.

Ermittlung des Gewinns nach EÜR:
Die EÜR beruht auf sämtlichen betrieblichen Einnahmen und Ausgaben, die jährlich anfallen. Sie stellt diese Posten einander gegenüber und ermittelt so den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens.

Zuflussprinzip und Abflussprinzip in der EÜR:
In der EÜR hängt die Entstehung von Einnahmen und Ausgaben nicht vom Datum der Rechnungsstellung, sondern vom Datum der tatsächlichen Zahlung ab. Dies wird als Zuflussprinzip bzw. Abflussprinzip bezeichnet.

Aufzeichnungspflichten und Aufbewahrungspflichten der EÜR:
Die einfache Buchführung mittels EÜR basiert auf der Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben anhand von Belegen. Unternehmer müssen bestimmten Aufbewahrungspflichten nachkommen, wobei Originalbelege beispielsweise 10 Jahre aufbewahrt werden müssen.

Getrennte Aufzeichnung bei besonderen Fällen:

  • Einnahmen und Ausgaben müssen nach ihrem Steuersatz (19 %, 7 %, 0 %) getrennt erfasst werden.
  • Nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (z.B., Grundstücke) werden in einem Anlageverzeichnis erfasst.
  • Für abnutzbare Anlagegüter erfolgt eine Abschreibungsübersicht mit Anschaffungsdatum, Kaufpreis und Abschreibungsdauer.
  • Beschränkt absetzbare Ausgaben wie ein häusliches Arbeitszimmer oder Bewirtungskosten werden separat erfasst.
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter über 250 € netto werden in einem eigenen Verzeichnis erfasst.

EÜR: Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben

Die Gewinnermittlung in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) erfolgt durch den Abzug der Betriebsausgaben von den Betriebseinnahmen. In der Anlage EÜR können folgende Positionen als Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben auftreten:

Betriebseinnahmen:

  • Sachentnahmen
  • Betriebseinnahmen zum allgemeinen/ermäßigten Umsatzsteuersatz
  • Umsatzsteuerfreie Betriebseinnahmen
  • Private Kfz-Nutzung
  • Private Telefonnutzung
  • Vereinnahmte Umsatzsteuer
  • Auflösung von Rücklagen


Betriebsausgaben:

  • Gehälter und Löhne für Mitarbeiter
  • Abschreibungen
  • Bezogene Dienstleistungen (netto)
  • Wareneinkäufe (netto)
  • Aufwendungen für geringwertige Wirtschaftsgüter
  • Kfz-Kosten
  • Abziehbare Vorsteuer
  • Miete für Geschäftsräume
  • Im Kalenderjahr an das Finanzamt gezahlte Umsatzsteuer
  • Eingeschränkte abziehbare Betriebsausgaben (Bewirtungskosten, Geschenke)

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) in der Steuererklärung

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) bildet einen integralen Bestandteil der Steuererklärung. Neben der EÜR sind jedoch weitere Formulare und Anlagen von Bedeutung.

Die Standard-Steuererklärung setzt sich in der Regel aus folgenden fünf Dokumenten zusammen:

1. Mantelbogen zur Steuererklärung:
Auf diesem Bogen werden allgemeine Angaben wie Name, Anschrift, Steuernummer, Familienstand usw. gemacht.

2. Anlage G (für Gewerbetreibende) oder Anlage S (für Freiberufler):
Abhängig von der Unternehmensform ist entweder die Anlage G (Einkünfte aus Gewerbebetrieb) oder die Anlage S (Einkünfte aus selbstständiger Arbeit) auszufüllen.

3. Gewinnermittlung mit Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR):
Die EÜR ist ein zentraler Bestandteil der Steuererklärung. Wer die Gewinnermittlung mittels EÜR durchführt, füllt die entsprechende Anlage EÜR aus.

4. Umsatzsteuerjahreserklärung:
Zusätzlich zur Einkommensteuererklärung mit Anlage G/S und EÜR ist die Einreichung einer separaten Umsatzsteuerjahreserklärung erforderlich, insbesondere für umsatzsteuerpflichtige Unternehmer.

5. Gewerbesteuererklärung:
Gewerbetreibende müssen neben der Anlage G auch eine gesonderte Gewerbesteuererklärung abgeben.

Diese fünf Dokumente bilden die Grundlage für die Steuererklärung als Unternehmer. Die EÜR stellt dabei einen wichtigen Teil dar, jedoch können je nach individueller Situation zusätzliche Formulare erforderlich sein. Zum Beispiel ist für Personen mit Einkünften aus Kapitalvermögen die Abgabe der Anlage KAP erforderlich.

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